Aus Sicht des Gründers, August 2017

Lieber Leser,

ich möchte Ihnen einen Artikel mit dem Titel “Banken zähmen die Fintechs“, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 29.07.2017, empfehlen. Einfachheitshalber, hätte ich Ihnen an dieser Stelle den Artikel gerne verlinkt, nur erschien der Text ausschließlich in der Printausgabe der FAZ, somit kann ich Ihnen den Gang zum Kiosk leider nicht ersparen.

Der erwähnte Artikel berichtet über die gescheiterten “Träume der jungen FinTech Unternehmer”, über die “Abkühlung der beschworenen Aufbruchstimmung” und über die traditionellen Banken, die nun selbst FinTechs gründen, um “digitale Leistungen wie den Zahlungsverkehr durch mobile Verfahren anzubieten” und damit “die Disruption im Finanzbereich an Ihre Grenzen stößt”. Die These des Artikels wird gestützt durch eine Studie einer französischen Unternehmensberatung, sowie durch die angeblichen Krisenszenarien etablierter FinTechs wie Outbank und eben unserem Unternehmen Centralway Numbrs.

Der unzulänglich recherchierte und zuweilen trivial anmutige Text ist in der gegenwärtigen Zeit leider kein Einzelfall. Der Journalist hätte seine mangelhafte Kenntnislage durch eine gründliche Recherche ausbessern können, stattdessen werden eilig Textpassagen bereits veröffentlichter Artikel belanglos kopiert, wodurch ein leider durchwegs eintöniger Bericht entsteht. Die Ressourcenknappheit in den Redaktionen resultiert in der bedauerlichen Entwicklung, dass Journalisten immer weniger Zeit haben sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, um wirklich aussagekräftige Artikel zu verfassen.

Offenkundig bin ich mit der Aussage des Artikels nicht einverstanden. Ich glaube nicht, dass die Disruption in der Finanzbranche an ihre Grenzen stößt. Im Gegenteil, die Revolution ist bereits aktiv und so stark wie noch nie. In der Geschichte hat es kein traditionelles Unternehmen geschafft den digitalen Wandel erfolgreich zu meistern. Bekannte Beispiele können in jeder Industrie gefunden werden:

  • Reisen werden nicht mehr bei Neckerman oder TUI sondern bei Booking.com oder AirBnB gebucht.
  • Kleidung wird nicht mehr im Otto Katalog, sondern bei Zalando ausgesucht.
  • Luxusgüter werden heute nicht mehr in einer Boutique, sondern bei Net-A-Porter gekauft.
  • Konsumgüter kauft man immer weniger im Einzelhandel, sondern bei Amazon oder AliBaba.

Der digitale Wandel ist allumfassend, allgegenwärtig und verändert den Markt und die Gesellschaft. Aus diesem Grund bin ich der festen Überzeugung, dass der digitale Wandel auch in der Finanzindustrie einziehen wird und traditionelle Banken ihrGeschäftsmodell grundlegend neu überdenken müssen. Durch neuartige Technologien, werden zum Beispiel die Mittelsmänner der Bankenbranche überflüssig, Finanzdienstleistungen günstiger und Depotbanken, Broker, auch Geschäftsbanken obsolet.

Die digitale Transformation lässt sich nicht nebenbei mit einem FinTech-Projekt und einer PR Kooperation mit einem angesagten Technologieunternehmen bewältigen. Vielmehr muss das Geschäftsmodell grundsätzlich neu durchdacht werden. Im Mittelpunkt stehen die Kundenbeziehungen, die Dienstleistungen, die Produkte, sowie die Organisationsform und die Kommunikationskanäle. Das dies Auswirkungen auf die gesamte Unternehmensstrategie haben wird, ist unzweifelhaft. Die Herausforderung ist dabei umso größer, je traditioneller und hierarisch ein Unternehmen aufgestellt ist. In diesem Fall kann die Zusammenarbeit zwischen einem FinTech und einer traditionellen Bank erfolgreich sein.

Ich denke aber in der Tat, dass viele Start-Ups im Bereich der Finanzdienstleistungen überschätzt werden. Allenfalls eine Handvoll wird sich etablieren können, und nur unter der Voraussetzung, dass sie das gleiche professionelle Niveau erreichen wie eine traditionelle Bank. Davon sind die meisten FinTechs weit entfernt. Centralway Numbrs ist es nicht.

Ich freue mich auf die spannende Zeit die vor uns liegt.

Martin Saidler

Executive Chairman & Gründer

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